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Viel Urlaub und wenig Arbeit

Autor: Matthis | Datum: 18 April 2018, 08:56 | 0 Kommentare

Hallöchen,


da mein letzter Blogeintrag schon ca. 3 Monate zurückliegt dachte ich mir, es wäre doch mal wieder angemessen einen Eintrag zu verfassen. Tatsächlich haben sich über diese Zeit auch einige Themen angesammelt, von denen ich euch nun ein wenig ausführlicher als sonst erzählen werde. Zusätzlich dazu möchte ich direkt sagen, dass ich dieses Mal extrem viel über meine Freizeit schreiben werde und hoffe das dies nicht den Eindruck vermittelt, dass ich hier nur Urlaub mache... So ist das nämlich definitiv nicht.Zwischenseminar:

 
"Zum ersten Mal die Region um Kapstadt verlassen und endlich mal was anderes sehen". Ich denke so in etwa waren die Gedanken von mir und meinen Mitbewohnern, als wir am Flughafen saßen, um zu unserem Zwischenseminar zu fliegen. Unser Seminar fand nämlich in Durban, einer Großstadt an der Ostküste Südafrikas statt. Diese Seminare sind da, um bereits erfahrene Dingen zu reflektieren, sich mit anderen Freiwilligen auszutauschen und sich bewusst für die nächsten 6 Monate Ziele zu setzen.  Und im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern, halte ich diese Seminare für sehr wichtig und hilfreich. Wir erhielten Einblicke in die Aufgaben anderer Freiwilliger und wieder mal realisierte ich, wie gut wir es in der New World Foundation haben. Warum? Einige Freiwillige haben Kollegen, die über sie lästern, andere können ihren Aufgaben nicht nachkommen, weil sie nicht für voll genommen werden und wieder andere müssen sich ansehen, wie Menschen mit Behinderung falsch das Essen angereicht wird, weil das Fachpersonal zu faul ist es den Richtlinien entsprechend zu tun. Und obwohl fast jeder Probleme zu diesem Seminar mitbrachte, so war der Konsens der Gruppe doch sehr positiv. Neben dem Programm wurden dann schnell Bekanntschaften geschlossen, vermutlich auch weil wir alle in derselben Situation sind und so eben extrem viele gemeinsame Erfahrungen teilen, auch wenn wir und unsere Einsatzstellen/-länder sehr verschieden sind.


Nach dem Seminar hatten wir noch ein Wochenende Zeit, um die Region Durban genauer zu erkunden. Am Freitag gingen wir zu dem weltbekannten Strand Durbans (ihr kennt ihn garantiert nicht), an welchem man ins Wasser gehen konnte ohne fürchten zu müssen, dass einem die Füße abfrieren (In Kapstadt ist das Meereswasser deutlich kälter). Noch am Strand trafen wir Baran, David und Niklas, drei Freiwillige die wir auf dem Seminar kennen (und lieben gelernt haben). Am gleichen Tag machten wir uns dann alle zusammen auf in die Innenstadt, um in einem Club Piets 21. Geburtstag zu feiern. Bereit richtig abzufeiern standen wir da nun und warteten darauf, dass uns der Türsteher durchwinkt, wie er es mit so ziemlich jedem tat. Aber natürlich musste was schiefgehen. "Sorry sir, but you can't enter the club with shorts!" Na toll. Baran hatte seine kurze Hose angelassen und wir alle durften deshalb nicht in den Club. Aber da hatte der Türsteher wohl nicht mit Emma gerechnet, welche kurzer Hand zur Rettung des Abends wurde. Mädchen durften nämlich Hot-Pants tragen, damit die Männer auch ausreichend was zum glotzen haben. Also entschied sich Emma dazu, schnell mit Baran die Hose zu tauschen und wir alle wurden von einem verblüfften Türsteher durchgewunken.


Am nächsten Tag konnte es dann weitergehen und obwohl alle super erschöpft waren, besichtigten wir noch das WM-Stadion, verbrachten unsere Mittagspause im botanischen Garten und auch die Innenstadt hatte noch genug Programm zu bieten, sodass wir spät abends erschöpft ins Bett fielen. Das wäre es dann schon zum Abschnitt über das Zwischenseminar gewesen, denn am nächsten Tag ging es relativ zeitig zurück nach Kapstadt.
 

Johannesburg und das Soweto-Derby:

Nur knapp 3 Wochen nach unserer Zeit in Durban, stand schon der nächste Trip an. Piet und ich flogen für ein Wochenende nach Johannesburg, um uns das Soweto-Derby anzuschauen. Für alle, die sich jetzt denken: "Was zum Teufel ist das Soweto-Derby?!". Es ist ein Fußballspiel zwischen den Orlando Pirates und den Kaizer Chiefs, zwei Mannschaften die vor Jahrzehnten ein gemeinsamer Club waren und seit ihrer Spaltung, das größte Fußballderby Afrikas sind. Achja. Piet ist übrigens Chiefs Fan, während ich die Pirates supporte. Angekommen im Stadion war schnell zu bemerken, dass dieses Spiel kein Spiel wie jedes andere werden sollten. Wer den deutschen Fußball kennt, weiß das dort häufig die Gewalt die Freude am Fußball überschattet (zumindest in Derbys). Beim Soweto-Derby war es jedoch viel mehr ein Freudenfest der Fans über die gemeinsame Liebe des Fußballs. Hymnen wurden zusammen gesungen und alle Zuschauer standen gemischt durcheinander, anstatt getrennt in ihren Blöcken. Das Spiel endete glücklicherweise 3:1 für die Orlando Pirates, weshalb ich Piet ein wenig aufziehen konnte. Alle anderen Fans tanzten und feierten jedoch zusammen weiter und das Ergebnis wurde schnell zur Nebensache. Alles in allem eine tolle Erfahrung, von welcher ich noch meinen Enkelkindern erzählen werde (falls ich jemals ne Frau finde).

Besuch von den Brauners:

Inzwischen ist es der 19. März und Matthis freut sich wie ein kleines Kind auf den Besuch seiner Familie. 8 Monate hat man seine Familie nicht vor sich gehabt, auch wenn einige jetzt sagen würden, dass mein Papa ganz gut dafür sorgt, dass man ihn nicht vergisst. Denn fast jeden Tag sehe ich nämlich einen Haufen Nachrichten oder 1 Million verpasste Videoanrufe von ihm aufleuchten. Nicht aufregen Papa, dass ist natürlich ein wenig übertrieben... Auf jeden Fall landeten meine Eltern gegen 11 Uhr endlich und es war unglaublich schön, dass ich die drei endlich wieder in die Arme schließen durfte. Mama, Papa und Sofie weinten nur komischer Weise schon bei der Ankunft, was ich nicht so ganz nachvollziehen konnte. Nach ein paar Stunden war die Ankunftseuphorie dann ein wenig abgeklungen und mir fiel eins direkt auf. Sofie und Papa sind genauso panne geblieben und Mama hat immer noch ihre super coolen Jugendsprüche drauf. I bims Mama. Ok, alles klar Mama.


Zum Urlaub: Die zwei Wochen sind mehr oder weniger in zwei Abschnitte geteilt. Teil 1 wäre dann die erste Woche in Kapstadt (geplant von mir) und Teil 2 die Garden Route, welche von Mama geplant wurde. In der ersten Woche schliefen wir in einem tollen Guesthouse am Meer in Kalk Bay. Dieses Guesthouse lag perfekt um alles in Kapstadt schnell zu erreichen. Gut geplant,Mama. Zu den Dingen, die wir in der ersten Woche unternommen haben, kann man sagen, dass es für mich ne Mischung aus bereits erlebten und neuen Orten war. Und auch Dinge wie das Kap der guten Hoffnung oder ganz einfach die Innenstadt sah man nochmal aus einem neuen Blickwinkel. Eine Sache war mir nur so wichtig wie keine andere. Meiner Familie alle Facetten von Kapstadt zu zeigen. Es gibt nämlich neben der kleinen "Welt der Reichen und Schönen" auch noch einen Haufen Probleme, den die meisten Touristen meistens nicht sehen oder auch ganz bewusst ignorieren. Deshalb besichtigte ich mit ihnen unter anderem meinen Arbeitsplatz oder fuhr mit ihnen durch ein Township. Viel mehr möchte ich gar nicht zu dem ersten Teil unserer Reise sagen, weil ich ganz ehrlich sonst noch 10 Stunden hier sitze...


Teil 2 sollte dann die Tour auf der Garden Route sein. Abgesehen von Kapstadt und Durban, dürfte das wohl DIE Touristenattraktion sein. Nach 3 Stunden Fahrt am ersten Tag kamen wir dann an der ersten Unterkunft an. "Am Arsch der Welt" wäre vermutlich ein angemessener Name gewesen. Wir fuhren nämlich eine gefühlte Ewigkeit durch die Pampa, bis wir endlich einige Lodges finden konnten. Es war zwar paradiesisch schön, aber eine Menschenseele zur Schlüsselübergabe, wäre auch schön gewesen. Naja irgendwie hatten wir dann die Schlüssel erhalten und konnten dann entspannt auf dem See paddeln, schwimmen oder sich einfach so schön unterhalten, wie schon lange nicht mehr. Zum Abendbrot gab es dann eine Banane, einen Apfel, ein paar Nüsse und ne Flasche Rotwein, da niemand die Nerven aufbringen konnte, wieder zurück zu einem Supermarkt zu fahren.


Unser nächstes Ziel war Oudtshoorn. Dort verbrachten wir zwei Tage und der erste ging komplett für einen Pooltag drauf. Schande. Immerhin war der zweite Tag dann komplett mit Programm überfüllt. Als erstes fuhren wir über den Swartbergpas (höchster befahrbarer Gebirgspass in Südafrika), mit welchem unser kleiner Ford Fiesta erstaunlicherweise kaum Probleme hatte. Probleme hatten dafür Sofie und Papa, die sich hinten fast in die Hose gemacht haben. Danach fuhren wir zu einem Wasserfall, an dem natürlich das kleine Kind in mir durchkam. Klamotten aus und rein in die kleinen Pfützen, in den ich gerade so schwimmen konnten. Übermütig werde ich dann übrigens immer sehr schnell, so dass der gute Matthis sich nach nicht mal 5 Minuten voll auf die Klappe gelegt hat. Nach diesem kleinen Malheur mussten wir dann mit Vollgas zum Safaripark düsen. 15 min vor Beginn waren wir vor Ort. Übrigens gut gefahren Mama. Giraffen, Elefanten, Nashörner und ein Haufen Gazellen bekamen wir dort zu sehen und unserer Fahrer konnte uns noch viele Details zu jedem Tier erzählen. Eine sehr coole Erfahrung.

Die nächsten Tagen waren auch sehr schön, doch nur noch eine Sache ist meiner Meinung nach erwähnenswert. Der höchste Brücken-Bungeejump der Welt, bei welchem man 216m in die Tiefe stürzt. "Wenn du nicht willst, dann musst du das nicht machen.", war der Satz den ich so ca. 1000 mal von meinem Vater hörte. Man bekam fast das Gefühl, dass er springen müsste, so viel Angst wie der hatte. All das Geplapper hielt mich trotzdem nicht davon ab, 15 min später auf der Brücke zu stehen. Und tatsächlich bekam man auf der Brücke doch ein bisschen Muffensausen. "You are next", sagte der Koordinator dann, mit dem Finger auf mich gerichtet. F*ck... Jetzt wird es ernst.  Mein letzter Gedanke war, ob man sich während des Falls in die Hose machen kann. Und dann war ich auch schon am fallen. Der Moment

in dem man mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit auf den Boden zuschießt ist dann einfach unbeschreiblich. Die 2 Minuten die man dann ausbaumelt sind aber ganz gut beschreiblich. Mir ist gefühlt fast der Kopf geplatzt, da sich wahrscheinlich 80% meines Blutes in meinem Kopf befanden. Alles in allem war es für mich etwas, was man einmal im Leben macht. Deshalb würde ich es jedem empfehlen, in solchen Situationen die Angst in Kauf zu nehmen, denn was man danach erlebt bleibt einem sein ganzes Leben!
Und damit endeten unsere zwei gemeinsamen Wochen leider auch wieder. Glücklicherweise hatten meine Eltern ihre Abschiedstränen schon bei der Ankunft aufgebraucht, sodass eher die Vorfreude uns bald wiederzusehen im Vordergrund stand.

Eigentlich wollte ich jetzt noch was über die Arbeit und die Proteste in Capricorn schreiben, aber ehrlich gesagt haben mich die letzten Stunden schreiben so ausgelaugt, dass ich diese Infos auf ein anderes Mal verlegen muss.

Liebe Grüße aus Kapstadt,

Matthis

 

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